Cover für Vom Flüchtlingskind zum Multiunternehmer – Lulzim Fejzullahis Neustart in Österreich

Lulzim Fejzullahis13. Oktober 202627:49

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Lulzim Fejzullahi kam als Jugendlicher aus dem Kosovo nach Österreich. Im Gespräch mit Florian Baumgartner erzählt er, wie aus einem Neustart ohne Deutschkenntnisse ein Weg durch Gastronomie, Ausbildung und Selbstständigkeit wurde. Heute spricht er von neun Standorten im Salzkammergut und einem Immobilienbestand, den er schon während seiner Anstellung aufzubauen begann.

Warum kaufte er Wohnungen, während er selbst noch im Hotel wohnte? Weshalb investiert er weiter in Gastronomie, obwohl er mit Immobilien nach eigener Einschätzung wirtschaftlich weiter sein könnte? Und was passiert, wenn ein gerade eröffneter Nachtbetrieb durch Corona ausgebremst wird und jahrelang von anderen Betrieben mitgetragen werden muss? Lulzim schildert seine Entscheidungen, die Bedeutung von Reinvestitionen und den Wechsel zu einem neuen Restaurantkonzept.

Dabei geht es auch um den persönlichen Preis seines Arbeitspensums: wenig freie Zeit, Familie und die Frage, was ihn antreibt. Eine Folge über unternehmerischen Aufbau, die Grenzen ständigen Einsatzes und einen noch offenen Wunsch: ein eigenes Hotel am See.

In dieser Folge:

  • Wie Lulzim nach seiner Flucht in Österreich Arbeit und später Zugang zu Ausbildung fand.
  • Warum er bereits als Angestellter Immobilien kaufte und zunächst weiter im Hotel wohnte.
  • Wie der Einstieg in die eigene Gastronomie 2013 begann und weitere Betriebe folgten.
  • Was Corona für ein Unternehmen bedeutete, das laufend reinvestiert hatte.
  • Warum ein Nachtbetrieb vier Jahre mitgetragen und schließlich zum Restaurant umgebaut wurde.
  • Weshalb seine Leidenschaft für Gastronomie über einen reinen Renditevergleich hinausgeht.
  • Was sein Arbeitspensum für die gemeinsame Zeit mit seinen Töchtern bedeutet.
  • Warum ein Hotel am See sein nächster großer Wunsch bleibt.

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Kapitel

Transkript

Lulzim Fejzullahi: Also wir haben insgesamt so neun Standorte. Also ich mache das sehr gerne. Das heißt, ich bin sieben Tage die Woche und mache 90 bis 110 Stunden die Woche immer. Letztes Jahr im Oktober war ich einen Tag frei und seit letztem Oktober bis heute keinen einzigen Tag mehr frei. Also ich habe mich durchgearbeitet, ja.

Florian Baumgartner: Lulzim, was ist eigentlich dein größter Ansporn? Ist es das Geld oder ist es einfach, dass man auf einer Erfolgswelle ist? Ist es das Gefühl, dass man wieder was Ordentliches schafft? Was ist dein Ansporn? Ich habe mir im Vorfeld des Gesprächs versucht zu erinnern, wo uns wir beide zum ersten Mal begegnet sind. Und es war eine Zeit, ich habe damals beim Fernsehen gearbeitet und da hat es den Ball der Oberösterreicher in Wien gegeben. Wenn du noch erinnern kannst, im Astro Center damals. Und ich glaube, wir haben das exzessiv gefeiert den Abend und haben das Ganze in der Hotellobby irgendwo ausklingen lassen, bis 5 bis 6 in der Früh. Und ich muss sagen, ich habe dich damals ein bisschen kennengelernt und ich habe dich damals schon sehr, sehr faszinierend gefunden. Ein bisschen deinen Werdegang. Und dieser Werdegang ist jetzt noch viel, viel weiter gegangen. Und deswegen, ich finde es sehr schön, dass du da bist und dass sie unsere Wege heute wieder gekreuzt sind.

Lulzim Fejzullahi: Ja, ich freue mich auch. Also es war genau so, dass wir irgendwann in der Früh oder im Früh eigentlich gesessen sind, wo alle anderen Menschen frühstücken gegangen sind und wir waren noch immer da und haben miteinander geredet. Da war eine kleine Gruppe, die Spaß hatten und es war sehr lustig und eine schöne Erinnerung, wenn man zurückdenkt.

Florian Baumgartner: Und bevor wir jetzt so richtig einsteigen, bei uns gibt es sowieso einen kleinen Brauch. Ich frage unsere Gäste immer, ob sie einen Espresso oder einen Red Bull haben möchten. Was würdest du denn da jetzt wählen?

Lulzim Fejzullahi: Ich trinke immer einen Kaffee aus dem Espresso.

Florian Baumgartner: Also fast, dann nehme ich das Revol. Dann starten Sie richtig durch. Ich lasse es noch kurz zischen. Ja, Lulzim, vielleicht einmal, du bist Multi-Unternehmer mittlerweile. Im Salzkammergut bist du bekannt wie ein bunter Hund. Ich habe das Gefühl, jetzt mal, wenn ich Social Media aufmache, hast du wieder ein anderes Lokal so auf der Art. Aber dahinter steckt natürlich sehr, sehr viel harte Arbeit. Und ich würde aber gerne für die Leute, die zuschauen oder zuhören, vielleicht trotzdem mit deiner Story einfach mal beginnen und dieser Erfolg, der ist ja dir nicht in die Wiege gelegt worden. Du bist, ich glaube man kann so sagen, als Flüchtlingskind nach Österreich gekommen und hast jetzt dann den Weg sozusagen gemacht vom Tellerwäscher bis zum Top-Unternehmer. In welchem Alter bist du eigentlich nach Österreich gekommen? Wie war das, wenn man als Flüchtlingskind zu uns kommt? Wie war die Zeit?

Lulzim Fejzullahi: Ich komme aus dem Kosovo, das habe ich dir schon erzählt, Und war zwischen 14 und 16 Jahren im Krieg in Kosovo. War eigentlich die schlimmste Zeit in meinem Leben. Das heißt, man sieht immer wieder, dass da eine falsche Politik sehr viel kaputt machen kann. War bei uns auch nicht anders. Und irgendwann war so viel kaputt, dass ich nicht mehr wusste, was ich machen soll. In der Schule hat es nicht mehr funktioniert. Wir waren alle ziemlich angeschlagen, auch psychisch. Und habe dann zu meinen Eltern gesagt, ich muss weg, weil ich kann da nicht mehr. Und bin tatsächlich als Flüchtling gekommen hier. Mit 17, ich bin 18 hier geworden dann und natürlich in Flüchtlingslager, wie alle anderen, die als Flüchtlinge gekommen sind hier. Und dann, ich glaube, kurz danach wurde mir angeboten oder gefragt, was sind meine Ziele und so und ich habe gesagt, ich möchte arbeiten. Also ich suche Arbeit, ich will arbeiten. Ich konnte keine Lehre, keine Schule machen, so wie jeder normale Einheimische das machen könnte und kann, sondern ich müsste mal arbeiten, ich müsste mal Geld verdienen, dass ich über die Bühne kommen kann. Und wie gesagt, Schule geht es ja auch nicht aus, insofern geht es ja nicht aus, weil ich die Sprache nicht konnte. Also ich konnte nicht reden, ich konnte nicht schreiben, ich konnte nicht lesen. Und somit das freut mich komplett aus.

Florian Baumgartner: Vielleicht, mich würde es dann wirklich interessieren, wie es dann weitergegangen ist in Österreich, aber du bist wirklich in deiner Jugend sozusagen mitten im Krieg gewesen, Wie geht es einem da, wenn man in der Früh aus dem Bett aufsteht? Oder wie schläft man da?

Lulzim Fejzullahi: Also im Prinzip jetzt unten in der Zeit ist eine schlimme Zeit, die ich oft, wirklich oft habe, wenn ich lange darüber rede, dass ich dann auch jetzt wieder nicht mehr schlafen kann. Es ist so, dass da, das ist ein typisches Krieg. Es ist nicht wirklich so, wie es man im Fernsehen sieht oder einen Film, sondern da wurde jeden Tag geschossen, da wurden in jeden Tag Leute umgebracht, da wurden jeden Tag Massacken geführt. Das heißt, wir sind von einem Ort zum nächsten Ort, da ist geschossen worden, wir haben nichts zum Essen gehabt. Das heißt, es war aber alles egal, also Hauptsache überleben. Das heißt, wir sind in der Nacht von einem Ort zum nächsten Ort geflüchtet, wo es ruhiger war und dazwischen, ein paar Tage später, war wieder alles kaputt, weil sich alles niedergeschossen worden ist. Das heißt, im Prinzip, das hat ja zwei Jahre lang gedauert. Ich hatte das Gefühl, dass einfach die Menschen nicht mehr wert sind, dass einfach alles eigentlich egal ist. Und wir reden trotzdem 1000 Kilometer weit weg von hier, von Europa. Da haben alle zugeschaut. Das heißt, die haben wirklich zugeschaut, bis alles kaputt war. Und erst zum Schluss dann haben sie eingebunden und auch das Ganze beendet. Aber zuerst haben es mehr oder weniger wie ein Spiel spielen lassen.

Florian Baumgartner: Wie ist es, wenn man sein Land hinter sich lässt? Wie ist es, wenn man seine Eltern dort lässt?

Lulzim Fejzullahi: Sehr schwer. Also die ersten Monate, ich habe immer wieder wirklich überlegt und gedacht, das geht nicht. Also ich war ein verlorenes Kind. Das heißt im Prinzip, ich hatte keine Familie, keine Freunde, keine Menschen, die mich unterstützen. Das heißt im Prinzip hat es auch, wenn Sie jetzt 24 Jahre zurückblicken, hat es das nicht gegeben, was wir heute haben. Wir hatten keine sozialen Medien, wir hatten keine WhatsApp, wir hatten keine Handys, diese Möglichkeiten hatten wir jetzt. Das heißt, ich bin in die Telefonzelle gegangen und habe dann meine Eltern angerufen. Und wenn die Münzen weg waren, dann war ich mitten im Gespräch fertig. Das heißt, ich habe dann beenden müssen und bin dann wieder heimgegangen. Nicht einfach. Also ich glaube, mit Wörtern oder näher das Ganze zu erklären, Würde man vielleicht ein oder andere verstehen, wenn er tatsächlich das auch mitgemacht hat. Sonst ist es sehr schwer zu verstehen.

Florian Baumgartner: Und bist du gleich in Ebensee sozusagen, wenn du im Salzkammergut gelandet hast? Oder wie war der Weg in Österreich?

Lulzim Fejzullahi: In Altmünster, in Altmodell, hat die Familie Gröler in der Zeit einen Teelawäscher gesucht. Und ich habe mich dann da beworben. Und dann haben sie gesagt, okay, sie haben keine Bewilligung, aber sie können das machen. Und das weiß ich so wie heute. Da hat der Herr Gröller gesagt, willst du arbeiten? Ich habe gesagt, ja, ich will arbeiten. Er hat gesagt, okay, wenn du arbeiten willst, dann bekommst du Arbeit. Und hat das auch gemacht und ich schätze es auch bis heute.

Florian Baumgartner: Das heißt, der Herr Gröller, der auch ein bekannter Unternehmer ist, der war für dich so ein bisschen Ziefvater dann auch? Die haben mich aufgenommen.

Lulzim Fejzullahi: Das heißt im Prinzip, sie haben die Zeit nicht gehabt, in Details über mich beschäftigen. Das ist ein großes Team, eine große Firma. Aber sie haben mich aufgenommen. Das heißt, ich habe dann arbeiten dürfen. Ich habe dort gewohnt im Hotel. Dann habe ich später die Lehre gemacht und nach der Lehre weitere Ausbildungen. Und auch diese Ausbildungen, die ich machen wollte, waren die Türen immer offen. Das heißt, sie haben gesagt, okay, du möchtest, du willst, du bekommst und kannst machen.

Florian Baumgartner: Angenommen. Du bist in der Jugend dann in den Krieg gekommen, aber du hast ja auch mit Volksschulalter sicher mal irgendeine Idealvorstellung von deinem Leben gehabt. Und da hast du sicher nicht am Schirm gehabt, dass du irgendwann in Österreich oder sonst wo hingehen musst. Was hättest du vielleicht für einen Weg dir eigentlich ausgemalt im Kosovo?

Lulzim Fejzullahi: Als junger Mensch, man hat Fantasien, Überlegungen und so weiter. war immer schon sehr ehrgeizig und beißig. Ich war ja ein guter Schüler und habe eigentlich sehr gut gelernt bis zum Krieg und ab da weg dann ging nicht mehr. Wir haben in der selben Klasse oder in der Schule die Schulkollegen nicht mehr gehabt, wir haben die Lehrer nicht mehr gehabt, die da waren. Die waren nicht weg, die sind halt leider ums Leben gekommen. Und man war sehr angeschlagen. Das heißt, danach war das Ziel nur, wie man da weiterkommt. dass man sich vielleicht einen Job hat, eine Ausbildung machen kann und den Land wieder aufbaut. Dadurch, dass ich den Weg eingeschlagen habe und komplett weggegangen bin, war ja der Zeitpunkt für mich nach gewissen Monaten, wo ich gesagt habe, okay, wenn ich hier leben möchte, muss ich die Sprache lernen, muss ich die Kultur lernen, muss ich mich integrieren. Ich muss mich nicht assimilieren und das mache ich auch heute. Das heißt, ich sage jedem, dass mein Name ist Lulzim und ich sage jedem, dass ich ein Kosovarer bin. Ich bin zwar österreichischer Staatsbürger mittlerweile seit über zehn Jahren, aber trotzdem, woher komme und so weiter und so fort. Das heißt, ich muss mich nicht verstecken, aber ich muss mich integrieren und ich muss schauen, dass ich da auch was tue. Und das mache ich auch tagtäglich heute.

Florian Baumgartner: War vielleicht der Weg zur Arbeit als Tellerwäscher so der erste springende Punkt, um sich auch zu integrieren? Weil du hast ja vorhin gesagt, du hast sonst keine Kontaktmöglichkeit mit irgendjemandem gehabt, um auch die Sprache zu lernen. War das der beste Weg, die Arbeit?

Lulzim Fejzullahi: Ja, also auch diese Möglichkeiten, so wie heute, wo man doch unterstützt wird vielleicht, wo, ich weiß, in Syrien Krieg, wo die Flüchtlinge hergekommen sind, da hat Lehrer gegeben oder eine Gruppe in Emsi, die freiwillig zur Verfügung gestellt haben und haben gesagt, okay, wir versuchen, dass wir denen einen Deutschunterricht geben und so weiter. Das hat in der Zeit, wo ich gekommen bin, nicht gegeben. Das heißt, im Prinzip, einen anderen Weg hat es nicht gegeben.

Florian Baumgartner: Du hast dann bei der Familie Gröller dann als Tellerwäsche angefangen, du hast die Lehre gestartet. Und wie war dann der Weg in die Selbstständigkeit?

Lulzim Fejzullahi: Ja, ich habe die Lehre gemacht und weitere Ausbildungen und der BIS war immer da. Das heißt im Prinzip auch in der Firma nach wie vor, wo wir sehr engen Kontakt haben. Die haben immer gesagt, wir fördern, wir brauchen dich, wir wollen, dass du in Führungspositionen kommst. Das habe ich auch dann durchgemacht. Und irgendwann war es so weit, dass ich gesagt habe, okay, ich möchte es selber probieren. Ich will das anschauen und habe dann auch immer ständig was gesucht. Und habe dazwischen, also noch wo er beim Gröler tätig war, beim BFI als Gastro-Trainer gearbeitet, parallel, also immer zwei Jobs, weil sonst ist nicht ausgegangen. Und habe dann mit Immobilien begonnen, parallel auch noch, dass ich gesagt habe, okay, ich habe mir ein Haus gekauft mit Wohnungen, das herkriegt und vermietet. Und das ist auch immer mehr und mehr geworden. Und dann 2013 war es so weit, dass ich gesagt habe, gut, ein Lokal gegenüber meinem Haus in einem kleinen Gasser, eben sehr wein und fein. Da habe ich auch gestartet 2013.

Florian Baumgartner: Aber du hast jetzt die Immobilien angesprochen. Das heißt, du warst noch angestellt und hast parallel mit Immobilien begonnen?

Lulzim Fejzullahi: Genau. Also im Prinzip das habe ich, die ersten Immobilie habe ich 2009 gekauft und habe es selber dann auch nicht gebraucht. Also da waren vier Wohnungen drinnen und habe dann weiter vermietet. Und das war dann auch lustig in der Zeit. Die Zinsen waren am Boden. Die Preise waren am Boden. Also es war sehr gut. Das Risiko, ich habe aber damals gesagt, wir reden da schon jetzt 16, 17 Jahre zurück. Ich habe genug Zeit bis in Pension, was ich auch heute nicht denke an Pension, aber trotzdem. Und ich mache das und habe dann wirklich, wirklich immer wieder gemacht. Das heißt, ein paar Immobilien habe ich gekauft, solange ich noch angestellt war. Und dann habe ich mit der Gastro begonnen. Gastro, 2013 Wein und Fein gegründet, komplett neu. 2014 Restaurant im Strandbad in Gmund übernommen. 2015 habe ich einen Grund am See gekauft, in dem See, wo ich noch immer träume, dass ich ein Hotel bauen kann, wo jetzt die Boi entstanden ist, eine davon auch vorhin am See. Nach zehn Jahren 2016 ist dann die Schlafmeile gekommen, 2019 dann die ehemalige Tiki-Taki, wo heute da Amelia ist, 2020, 2021 ein bisschen Stillstand dazwischen, aber immer wieder Immobilien gekauft und dann Corona-Zeit war wirklich ein Stopp. Das heißt, da haben wir nichts mehr machen können, weil es nicht ausgegangen ist. Und das Nächste für einen Unternehmer, der erste Generation aufbaut, war nicht anders, wie wenn man jetzt den Teppich unter die Füße wegzieht. Das heißt, wir haben dann nichts mehr gehabt. Das heißt, wir konnten auch nicht bewegen. Wir haben keine stillen Reserven gehabt, weil wir die Zeit nicht hatten wie einen Unternehmer, der 20, 30, 40 Jahre, 100 Jahre gibt es. sondern das Ganze ist immer sehr dynamisch aufgebaut und immer reinvestiert in die Firma. Das Mehrwert, das besser wird. Und somit waren dann still schon zwei Jahre und 22 ist es so weit gekommen, dass ich dann Café Brandl übernommen habe in den Munden. Dann 24 lang diskutiert über Wiener Café und dann doch nicht zustande gekommen, weil sie gesagt haben zuerst...

Florian Baumgartner: Das ist quasi oben drüber, oder?

Lulzim Fejzullahi: Wiener Café ist in Austria und Brandl ist im Rathaus.

Florian Baumgartner: Okay, aber circa dieselbe Location für alle, die die Munden nicht so gut kennen.

Lulzim Fejzullahi: Und da ist es so, dass dann die gesagt haben, sie verkaufen das doch nicht oder für mehr Geld, weil sie Wohnungen draus machen möchten. Und ich war dann sehr wütend und habe dann lange überlegt und dann mit den Banken wieder gerät, wie schaut es aus, ob man sich das aufstocken können. Und schlussendlich, 25 war dann soweit, Ende 25, Anfang 26, dass wir dann doch wieder kaufen könnten mit mehr Geld natürlich. Weil mir wichtig war, dass da ja keine Wohnungen entstehen in erster Lage, sondern diese Gastronomie, unsere Tradition, die Arbeitsplätze, die Steuern behalten. Genau, 25 habe ich gleichzeitig dann aber auch das ganze Strandbad übernommen in Gewunden. Also ich kümmere mich komplett zum ganzen Badebetrieb, nicht nur Restaurant. Habe dann eine Badewart-Ausbildung mit meinen Mitarbeitern machen müssen. Echt wahr? Ja.

Florian Baumgartner: Das heißt so mit der roten Rettungsparte. Genau.

Lulzim Fejzullahi: Und ich habe dann auch geschrieben, ich habe geschrieben tatsächlich, dass ich jetzt ein Badewaschel bin und ein Foto gemacht mit meinen Mitarbeitern und die Leute haben gesagt, cool, dass du zu denen stehst, was du machst. Mache ich auch. Das heißt, ich habe dann einen Giftscheinbezug machen müssen, dass man sich Chlorgas und die ganzen Giftstoffe kaufen müssen. Das heißt, das mache ich auch immer mit, weil ich wissen möchte, wie das wirklich funktioniert. Und ja, und dann haben wir noch Beach-Barring-Munden dazu gemacht und 26, dann ist die Boje dazugekommen in Emsi nach 10 Jahren.

Florian Baumgartner: Okay, und jetzt haben wir Zeitpunkt 2026. Das heißt, du hast wie viele Gastronomiestätten?

Lulzim Fejzullahi: Also insgesamt sind es neun Standorte.

Florian Baumgartner: Okay, das ist krass. Aber vielleicht nochmal ganz kurz zurück, weil der Podcast oder das Format dient ja auch dazu, dass man junge Leute da ein bisschen inspiriert. Du hast gesagt, du hast damals die ersten Wohnungen gekauft. Das heißt, du hast wahrscheinlich parallel zur Miete weitergewohnt und mit dem Geld, das du so verdient hast, sozusagen die ersten Anzahlungen tätigen können und hast aber weitervermietet. Ist das so vom Modell?

Lulzim Fejzullahi: Also im Prinzip, das muss man sich so vorstellen, das, was ich gemacht habe, haben auch heute unsere Mitarbeiter diese Möglichkeit. Ich habe dann geschaut, okay, ich bin noch jung, ich möchte was schaffen und habe dann konsequent meine Arbeit gemacht. Ich habe damals auch mit meinem Chef geredet. Ich habe gesagt, schau, ich will Immobilien kaufen, aber trotzdem, wenn ich das so weitervermiete, ob ich da wohnen kann, wo ich gewohnt habe, im Hotel oder in einem Zimmer, und er hat gesagt, ja sicher kein Problem, also Hauptsache du bleibst hier und habe dann das gekauft und habe vermietet und dann ist irgendwann das Selbstrenner geworden, ja, habe da kein Geld geben müssen und somit habe dann die nächste Immobilie gekauft, wo ich aber auch selber, weil es größer war, wohnen konnte drinnen und vermieten und somit, mehr oder weniger, haben dann die Mieter auch meine Wohnung mitbezahlt, ja, und so ist es immer weiter gegangen, ja.

Florian Baumgartner: Wie viele Immobilien hast du jetzt aktuell?

Lulzim Fejzullahi: Ja, Also wohnungenmäßig haben wir um die 100.

Florian Baumgartner: Kommen wir noch mehr dazu, oder?

Lulzim Fejzullahi: Mal schauen. Also wir haben auch die Schlafmeile, wie gesagt, kauft und umgebaut. Wir haben die Betriebe gekauft. Wiener Café jetzt bauen wir wieder um. Die ist im Vergleich so, dass ich sage, okay, da könnte man ein paar Wohnungen mit dem Geld kaufen und vermieten. Mein Wunsch ist aber, dass wir Arbeitsplätze schaffen, dass wir halt diese haben, was wir da haben und nicht verloren geht. Das haltet mich auf. Im Prinzip, wir können jetzt spekulieren und sagen, es war besser oder schlechter. Wenn ich mit meinem Fleiß und Ideen und Visionen Gastronomie vielleicht gar nicht begonnen hätte, nur den Rest, hätte vielleicht das zehnfach erreicht. Aber es wäre nie diese Leidenschaft, die ich habe für Gastronomie da. Und somit für mich, die Stunden, die ich mache und tue in der Gastro, ist eigentlich wie ein Hobby. Ich mache das ja gerne. Das heißt, ich bin sieben Tage die Woche und mache 90 bis 110 Stunden die Woche immer. immer, dass letztes Jahr im Oktober war ich einen Tag frei und seit letztem Oktober bis heute keinen einzigen Tag mehr frei, ich habe durchgearbeitet und wenn ich mir anderen erzähle, dann sage ich, der ist verrückt. Ich denke, ich könnte genauso sagen, einer, der nicht arbeitet seit einem Jahr, ist verrückt, der nur irgendwas anderes tut. Das kann jeder machen, was er will und möchte und ich habe ja für den Weg entschieden, mir macht Spaß, ich will das tun und somit ist für mich auch in Ordnung.

Florian Baumgartner: Die Schlafmeile, das Hotelprojekt ist ja dann auch wieder ein bisschen anders zu führen. Das Business funktioniert ein bisschen anders. Ist das auch etwas, was dich reizt, da verschiedene Geschäftsmodelle kennenzulernen? Die klassische Gastronomie, dann das alte Wiener Kaffeehaus, das Strandbad, aber auch eben das Hotel.

Lulzim Fejzullahi: Ich bin, glaube ich, auch der Mensch dazu, der Herausforderungen braucht. Ist auch gut. Das heißt, ich habe, also Fein und Fein ist ein ganz anderer Typ, um Lokal zu übertreiben. wie Schlafmeile, also Hotel, vollkommen richtig, ja. Genauso Beachbar, Boje oder Nesas, wie es bei den Munden oder Strandbad sind ganz andere Betriebe zu betreiben, wo man wetterabhängig ist, wo man logistikabhängig ist. Das heißt, man kann nichts planen, ja. Der Amelie ist wieder anders zu betreiben, Café Brandl ist anders zu betreiben, ein Nachtbetrieb ist anders zu betreiben, wo die Menschen angesoffen sind, wo man andere spüren, Gefühl haben muss dafür. Das heißt, sie sind wirklich komplett individuell. Gleichzeitig, wie gesagt, mir macht das Spaß. Ich sehe aber auch genauso bei gewissen Mitarbeitern, wenn die zwei, drei Sachen machen müssen von vielen von mir, die gleich überfordert sind. Es ist, weil sie einfach doch verschieden sind.

Florian Baumgartner: Gibt es irgendwas, was du jetzt rückblickend auf die letzten Jahre oder Jahrzehnte blickst, was sagst, das ist echt ein paar Mal gegangen?

Lulzim Fejzullahi: Ich denke also von meinen Geschäften her nicht so. Ich bereue nicht die Sachen, die ich gemacht habe und mache. Wir haben Schritte gemacht, die wichtig waren. Die sind vielleicht nicht so gut gelaufen. Dadurch, dass ich aber gut aufgestellte bin, hat man ja immer gut abdecken können. Auch in schwierigen Zeiten, so wie Corona. Jetzt Amelie, also ehemalige Tiki-Taki und Dosen. Ich habe 2019 gekauft und umgebaut. Ende 2019 gestartet. vier Monate später, 20, kam Corona und ist nicht mehr gegangen. Das heißt, wir haben nicht mehr weitergebracht. Wir haben vier Jahre lang mitgeschleppt mit den anderen Betrieben, weil es nicht mehr gegangen ist. Nachtbetrieb ging nicht mehr. Erst 24 war die Idee, dass wir sie umbauen nochmal, das haben wir ja 25 gemacht und jetzt ist ein italienisches Restaurant drinnen und es funktioniert auch sehr gut. Das heißt, es gibt auch Dinge, die man durch Sachen, die passiert sind, wie Corona, die keiner planen kann, auch ich nicht, die dann halt nicht mehr gepasst haben. Da hat man aber wieder umstrukturieren müssen. Zwar man braucht Zeit wieder und Geld und so weiter und so fort, aber wenn man es stehen lässt, dann ist eigentlich ein Tod.

Florian Baumgartner: Was ist eigentlich dein größter Ansporn? Ist es das Geld oder ist es einfach, dass man auf einer Erfolgswelle ist? Ist es das Gefühl, dass man wieder etwas Ordentliches schafft? Was ist dein Ansporn?

Lulzim Fejzullahi: Das Geld ist eigentlich überhaupt nicht wichtig. Also ich kann nur sagen, so wie ich bin und mich auch viele kennen, ist mir sehr wichtig, dass wir sie am Boden bleiben. Das heißt, dass da alle Menschen, die auf der Straße gingen, ob es alt, jung, reich, arm sind, für mich gleich sind, auch genau meine Gäste so. Ich bin ein Mensch, der, wie gesagt, viele Dinge erlebt hat und gemacht hat und nichts hatte. Und ich habe den Sprung nie gemacht, dass ich mich jetzt selber zu wichtig fühle, sondern es ist wichtig, dass ich ein Mensch bin und ein Mensch bleibe. Die Menschen sind immer in erster Stelle für mich und erst an Erfolg und Geld. Ich mag das, was mir Spaß macht. Ich bin ein untrübiger Mensch, der das tut. Die Welt braucht solche verrückten Leute wie mich, dass da was bewegt in der Region. Aber ich habe auch jahrelang, also wirklich jahrelang gemacht, dass ich keinen Cent von der Firma genommen habe. Und auch heute das Geld, was ich verdiene, tue ich wieder reinvestieren. Also es ist nicht so, dass ich jetzt das Geld nehme und auf Urlaub fliege und teure Späße habe, sondern nehme das Geld und investiere wieder klug rein und versuche das zu machen. Und ich glaube, das gibt man auch ein bisschen mit, wenn ich jetzt von dem Thema vielleicht springe, wo ich sage, ich habe ja zwei Mädels, also zwei Töchter mit 12. Ich weiß,

Florian Baumgartner: die ganz kleine Mädchen habe ich das einmal kennengelernt in der Gastzeit oder in Ebensee.

Lulzim Fejzullahi: Die 12 und 16 sind und die 15-Jährige, die hat mit 14 ein bisschen zum Helfen begonnen. Im Familienbetrieb darf man das ja. Und mit 15, dann habe ich sie angemeldet, geringfügig. In der Firma, weil sie immer neben der Schule ist, eine bravere Schülerin, hat immer mitgeholfen. Und da habe ich sie angemeldet und sie hat dann über den Sommer gearbeitet. Und ich habe gesagt, okay, sie hat jetzt mehr Stunden gemacht, dass eigentlich jetzt länger angemeldet bleiben kann. Und habe es auch so gemacht, das passt. Und dann hat sie zum ersten Mal im Dezember doppelt den Lohn bekommen. Wir reden von 500 Euro auf 1000 Euro. Also Weihnachtsgeld. Was glaubst du, was sie gemacht hat damit?

Florian Baumgartner: Nachdem es deine Tochter ist, hat sie wahrscheinlich einen Teil davon genommen und irgendwo in einen Sparplan, ETF oder sonst was reingegeben. Ich weiß nicht. Oder vielleicht hat sie es... Ich glaube, dein Mädel ist sehr klug.

Lulzim Fejzullahi: Ich habe also selber nicht glauben können. Ich bin einen Tag in der Früh aufgestanden und habe auf mein Privatkonto geschaut, online im Bett noch. Und ich habe gesehen, Eingang vom Leonese auf mein Konto, 1000 Euro. Und ich habe das nicht realisieren können und habe es ihr geschrieben. Hast du die Verte an? Warum hast du mir das Geld überwiesen? Hat sie gesagt, Papa, mir geht es gut. Ich habe alles. Du arbeitest zu viel. Du investierst klug. Ich habe dir das Geld überwiesen. Du machst es besser. Echt? Ja. Und ich habe das Geld dann wieder genommen und habe ihr zurück überwiesen. Ich habe gesagt, das ist dein Geld, das sparst du, machst du das, aber das gehört dir, nur auf die Idee mal zu kommen. Und ich glaube, wenn man halt wirklich konsequent auch zu Hause mit den Kindern und so weiter und über positive und gescheite Dinge diskutiert und redet, dann gibt man schon was mit. Also man produziert was Positives für die Nachkommen. Sie hat gemerkt, okay, der Papa muss arbeiten, wir müssen auch lernen und so weiter in der Schule, sie machen das auch super. Ich muss aber im Sommer dann, oder ich möchte helfen, kommt es auch und sie bekommt auch was. Aber gleichzeitig, sie sind mit der Zeit auf die Idee gekommen, hey, wir müssen genauso gescheit machen oder besser machen.

Florian Baumgartner: Nolze, ich glaube, du bist sehr stolz auf deine Töchter, dass es raushört. Aber wenn man 90, 100 Stunden arbeitet, irgendwo muss ja die Familie dann noch mehr auf der Strecke bleiben.

Lulzim Fejzullahi: Genau, also was man nicht haben kann, dass man sie wirklich viel Zeit hat für die Familie. Das heißt, es ist tatsächlich so, dass ich viel zu wenig Zeit habe. Das habe ich auch. Das heißt, ich versuche immer ständig, dass sie von der Schule abholen, nach Hause bringen, dass sie mit ihnen essen gehen, dass wir Skifahren gehen, dass wir in die Betriebe gemeinsam arbeiten. Ich bin ja zum Skifahren gegangen oder halt begonnen in Österreich, weil ich vorher das nicht konnte, eh durch meine Kinder, weil die Große mit der Schule das gemacht hat. Dann hat sie gesagt, sie möchte doch öfter Skifahren gehen. Ich habe dann Ausrüstung gekauft und bin mit ihr gegangen, habe dann geübt und tue auch, ich bin kein Profi, aber ich tue jetzt Skifahren. Und das habe ich auch gemacht, also für die Kinder oder mit die Kinder. Das heißt im Prinzip, versuche so viel es geht. Aber ich kann das sicher nicht machen, was ein normaler Mensch machen kann. Das wissen Sie auch. Das heißt, dass es so ist. Gleichzeitig denke ich, das Ganze, was wir hier aufgebaut haben in Österreich, in vielen Orten, alleine wenn ich mitten in den Gmunden bin, wenn ich mir das anschaue, alles was da ist, haben Elten, Großhelden und die Urgroßhelden aufgebaut. Nicht meine Generation und nicht die jüngere Generation. Und sie haben auch mehr arbeiten müssen. Sie haben auch nicht zehn Stunden die Woche gehabt, sondern haben 60, 70 Stunden gearbeitet, haben es Freunden, Familien geholfen am Wochenende, dass die ein Haus bauen, dass die irgendwas machen. Wenn wir so weiter tun, wie es wir jetzt machen und tun, dann brauchen wir uns nicht wundern, dass da, wurscht, ob das die Chinesen sind oder die Nächsten, die kommen und alles abkaufen und weg ist und dann auch vielleicht kein Restaurants mehr gibt, sondern McDonalds und Chinesen und egal was, Kebab-Schandl. ohne dass das böse klingt. Aber wir haben das in der Hand und wir müssen da was tun. Und wenn wir das nicht machen, dann brauchen wir uns auch nicht lästern. Dann müssen wir es akzeptieren.

Florian Baumgartner: Du hast vorher noch von einer kleinen Vision gesprochen. Ich glaube, es ist eine große Vision. Du hast ein Hotelprojekt angesprochen, das du gerne realisieren würdest. Zeig uns einmal die Bilder im Kopf, die du da hast.

Lulzim Fejzullahi: Also im Prinzip der Wunsch ist, das habe ich auch vorher verfolgt, war auch so weit, dass wir sich vor dem Corona vielleicht den Schritt doch gemacht hätten, wenn die Preise nicht explodiert werden. Ob das in Gmund oder in Ebensee ist, wenn diese Möglichkeit neu gibt und kommen sollte soweit, ist mein Wunsch als ein Hotel am See, besitzt und betreibt. Das ist der Traum und das würde er machen. Ich glaube an meine Visionen und Ideen und denke, ich habe trotzdem noch 30 Jahre bis zur Pension. Wenn es einen gibt noch bis dorthin, somit wird es schon ausgehen.

Florian Baumgartner: Nulzim, ich wünsche dir alles Gute auf dem Weg zu deinem Hotel. Ich finde es mega cool, dass du bei uns warst und ich glaube, du hast mit diesem Gespräch wieder sehr viele Menschen inspirieren können. Dankeschön.

Lulzim Fejzullahi: Gerne. Danke auch für die Einladung. Bis zum nächsten Mal.